Superlocke

Jeden Montag neue ondulierte Beiträge - Maximales Volumen auch für deine Gedanken

Von Inspirationsekstase und literarischer Dürre

In der Nacht auf den 23. September 1912 bringt ein junger Tscheche in acht Stunden eine Novelle zu Papier, in der er sich schlagartig thematisch und stilistisch selbst findet. Ein Künstler im Tätigkeitsrausch, eine ekstatische Trance des Schriftstellers, ein temporäres Verweilen in einem zeitlich und räumlich abgekoppelten geistigen Raum. Ein […]

Zwischen den Wörtern

Das Schreiben ist auch nur eine billige Flucht, hat einmal ein von seinen Gefühlen überwältigter Punk ins Mikrophon gebrüllt. Davor, dass wir ungefragt in die Welt gespuckt worden sind und im besten Fall achtzig Jahre versuchen, uns davon zu erholen. Nur um dann über die nächste Schwelle gestoßen zu werden, […]

Der Nein-Sager

Ist das Werk eines Autors mit einer tragischen Lebensgeschichte verknüpft, dann erscheint es oft besonders eindringlich. Wenn es sich vom eigenen Erleben aus los spinnt, hat es eine beschwörende Authentizität. So ein Text hat eine gewisse Autorität. Er hat etwas zu sagen. Wolfgang Borchert, die wohl eindringlichste Stimme der Trümmerliteratur, […]

Max und Julia oder der Tod der Liebe

Dinge werden nicht wahrer oder authentischer, weil man sie mit der Hand geschrieben hat. Sie werden nicht besser, nur weil sie sich reimen. Ebenso wie Menschen nicht klüger werden, nur wenn sie sich eine dekorative Brille auf die Nase setzen – das hättet ihr eigentlich schon in der Grundschule lernen […]

Der Weg aller Bananen

Ehrlich gesagt war es die Standard-Zimmerpflanze, lieblos in Zellophan eingepackt und mit einem gekräuselten Geschenkband versehen, die mich zum ersten Mal stutzig gemacht hat. Geschenke, die weder kreativ sind noch aus Alkohol bestehen auf einer Party? Aber das war nur der Anfang. Eigentlich hätte es mir auch schon früher auffallen […]

Was bleibt?

Die meisten Städte hinterlassen keine Abdrücke, wenn man sie verlässt. Ob die Standartmittelstadt mit ihrer immer gleichen Einkaufszeile, den brav aufgefädelten Mehrfamilienhäusern in lebensverneinenden Grautönen und den Menschen, die sich allesamt gegenseitig zur Unterhaltung dienen oder London und seine zehn Millionen, chronisch im Stau stehenden Einwohner. Hat es dich angerührt, […]

Wir Wiederkäuer

Wir sind nicht gekommen, um weise zu werden. Weise, das ist sowieso eine Kategorie, die lediglich als Nachhall in literarischen Figuren weiterlebt, in bärtigen alten Männern, die von längst verstorbenen Literaten mit ulkig anmutenden Frisuren erdacht wurden. Und heute nur noch in Kombination mit in goldenen Boxershort halbnackt über die […]

Rückkehr nach San Sebastián

Wir sitzen um zwei Kaffeetassen herum und synchronisieren unsere Uhren. Die Zeit zwischen den Tagen. Wie ein Film, den man halb vergessen hatte und dann wieder sieht, schwappt es zurück von einem vergangen Ich auf das jetzige, eine Kontinuität, die ebenso omnipräsent ist wie versteckt. Nur bruchstückhaft gegenwärtig. Eine Querverbindung […]

Die Domestizierung der Nachhaltigkeit

Das Wachstumsparadigma ist tot. Lang lebe das Wachstumspardigma. Schlaue Köpfe haben sich endlich durchgerungen, Wachstumstheorien als das zu sehen, was sie wirklich sind – eine Familie von Modellen von vielen und überraschenderweise eben doch kein Naturgesetzt. Die Diskussion rund ums Postwachstum wird dabei auf rein konzeptioneller, makroökonomischer Ebene geführt, Wachstumsneutralität […]

Das Leben mit Ernst

Ernst trat in ihr Leben, als sie 5 Jahre, 2 Monate, eine Woche, drei Tage und dreiundzwanzigeinhalb Stunden alt war. Damals war die Zeit noch kleinteiliger und Regentropfenverlaufsprognostizierung ihre neuste weltbewegende Fähigkeit. Ernst war gekleidet wie jedes ordentliche Gespenst: das weiße Laken standesgemäß gestärkt und gleichzeitig doch hingebungsvoll zerrissen. Die […]